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Oskar Manigk: MailART
In der DDR und im gesamten Ostblock,
aber auch in den lateinamerikanischen Diktaturen gab
es neben der offiziellen – meist faden –
Kunstproduktion einen regen Austausch subversiver
Kunstprodukte auf offiziellem Wege: durch die Post.
In der DDR war ihr großer Anreger Robert Rehfeldt,
der u.a. auf dieser Basis mit Fluxusgrößen wie Bill
Higgins, Wolf Vostell u.a. korrespondierte. Das der
eine oder andere Empfänger und – dem Medium gemäß –
auch Absender solcher "Postkunst" war, lag in der
Natur der Sache. Dass die "Postkunst" und ihre
Geschichte bereits auf Marcel Duchamp und das Jahr
1916 zurückgingen, war eher etwas für Spezialisten.
Motiv für die vielen internationalen MailARTisten
war sicher das Demokratische, das Spielerische, aber
auch Gesellschafts-kritische des Mediums. Ich meine
sogar Wesentlich für Einige war, dass der Kommerz
außen vor blieb und die Absicht "Große Kunst" zu
machen, überhaupt keine Rolle spielte. Es war eine
Kommunikation nonverbaler Art, Gedankenaustausch auf
der Ebene visueller Kürzel.
MailART, wie
der gängige Begriff lautete, wurde zum Medium,
dessen sich Jeder mit einem gewissen kreativen
Potential bedienen konnte – und häufig auch
bediente. Auf der Basis der bereits 1977 recht
umfangreichen Sammlung solcher MailART von Robert
Rehfeldt organisierte ich 1979 die erste
MailART-Ausstellung mit dem Titel Gesellschaft &
Umwelt in meiner Galerie. Präsentiert wurden ca.
600 Karten von ca. 300 "Absen-dern", die ein
kreatives Potential abbildeten das zwischen
Subversion, Ernst, Humor und Anklage changierte und
bei den zahlreichen Besuchern intensives Sehen
erfor-derte.
Der Erfolg der Ausstellung – der 1980
eine zweite Ausstellung mit dem Titel
Individuum-Gesellschaft-Umwelt folgen sollte (nicht
realisiert) bewog mich, Oskar Manigk, der – wie sich
bereits in der Ausstellung zeigte - sich auf eine
eher komische Art mit dem Thema beschäftigte, zu
bitten, für die Galerie eine MailART-Folge zu
kreieren, die als MailART-Edition herausgegeben
wurde.
Oskar Manigk brachte dann eines Tages
eine Anzahl Blätter im Format 50 x 70 cm die die
Grundlage der Edition bildeten. Es entstanden 20
Postkarten als Offseth-Litho bei dem verdienstvollen
Drucker Arnoldi in Köpenick gedruckt und auf der
Rückseite mit einem spezifischen Stempelaufdruck
versehen (siehe auch
Postkarten Manigk / Jankovic),
die z.T. in einem speziellen und ebenfalls
gestempelten Packpapierum-schlag, später in einer
kleinen Kassette zusammengefasst wurden.
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Umschlag
und Kassette MailART Oskar Manigk, 1979 /
1980 |
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In den Karten wird eine Haltung
von Oskar Manigk deutlich: in origineller,
undogma-tischer, spielerischer und witziger Form
Wesentliches zum Ausdruck zu bringen und mit
geringen Mitteln: Collage, Übermalung u.ä.
darzustellen. |
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Darüber hinaus verweist er auf zwei
bedeutsame inhaltliche Aspekte, die typisch für MailART
sind: Die Möglichkeit, über Kontakte Distanz zu
verringern, die häufig trotz aller Globalisierung eine
mentale Distanz ist, sowie Einsamkeit zu verringern:
MailART als Bumerang. Der sich in MailART ausdrückende
ganz persönliche Aspekt ist durch die Gleichmacherei der chatrooms im Internet nicht zu ersetzen. Denn MailART
ist die Fähigkeit, Kreativität auf der Basis der eigenen
Persönlichkeit zu veräußerlichen. Bei O.M. eine Form
hintersinnigen Humors, der sich nicht im oberflächlichen
Gag verliert, sondern in die Tiefe dringt, Verborgenes
zutage fördert, andere ermutigend. Wie arm-selig sind da
doch unsere heutigen SMS, im so fortschrittlichen
elektronischen Zeit-alter.
Preis:
125
€ |
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